WAZ: Den richtigen Riecher gehabt

Bochum, 07.07.2010WAZ: Den richtigen Riecher gehabt

Im Herbst hatte Dieter Theis den richtigen Riecher: Er gründete „Kanalservice NRW“, eine Firma, die dank einer neuen Landesgesetzgesgebung am Geschäftserfolg eigentlich kaum vorbeikommen kann.

„Ich wusste bereits im Vorfeld von diesem Erlass und fing an, mich entsprechend zu qualifizieren“, schildert der 51-Jährige. Vorbelastet war er durch den Vater, der in Wuppertal als Kanalbauer tätig war und den Sohn früh mit der Materie vertraut gemacht hatte. Bis es ihn aber zurück zum Abwasser trieb, machte der gelernte Kaufmann Karriere im Motorradsport; vielen Bochumern ist er noch als Manager seines Weltmeisterteams bekannt.

Anfangs sei er über das Abwassergesetz nur gestolpert; „ich erkannte damals noch nicht, welch’ großer Markt daraus erwachsen könnte“. Stück für Stück glitt er in die Branche hinein, lernte bei einem guten Freund „vom Fach“ und kroch selbst in die Rohre. Dann stellte er sich ein kleines Team zusammen mit Ingenieuren und Meßtechnikern, die über IKT, dem Institut für unterirdische Infrastruktur, zertifiziert wurden. Denn längst nicht jede Abwasserfirma darf diese Prüfungen vornehmen. Angefangen hat er dann mit einem Auto, heute verfügt die Firma über drei Fahrzeuge. In der Gründungsphase steckte das Team Flyer in Bochumer Briefkästen und machte sich mit einer Homepage im Internet (www.kanalservice-nrw.de) bekannt. Es ist noch immer ein kleines Unternehmen mit vier Angestellten an der Universitätsstraße 35, doch Dieter Theis spricht schon jetzt von Expansion, obwohl die Sache gerade erst ins Rollen kommt. „Es hat sich noch nicht allgemein herumgesprochen, dass jetzt auch private Leitungen kontrolliert werden müssen.“ Die Stadt Bochum hat erst jetzt damit begonnen, die Bürger zu informieren.

Dieter Theis sieht vor sich ein lohnenswertes Geschäftsfeld, zumal allein in Bochum geschätzte 70.000 Hauseigentümer als potenzielle Kunden in Frage kommen, darunter nicht nur jeder Häuslebauer, sondern ebenso die großen Wohnungsgesellschaften. Und da die allermeisten privaten Kanäle bislang nie überprüft wurden, gehen Experten davon aus, dass 60 bis 80 Prozent der Anschlüsse defekt oder gar marode sind. Abwasser kann ins Grundwasser sickern oder belastet die Kläranlagen; daher die neue Gesetzgebung.

Zunächst werden die Rohre im Haus und bis zum Anschluss ans öffentliche System mit Hochdruck gereinigt, dann mit einer kleinen Kamera auf Risse und Brüche auf Dichtigkeit untersucht. Der Kunde erhält eine Foto- und DVD-Dokumentation. Wurden Schäden festgestellt, wendet der Kanalservice zumeist das Inlinerverfahren an. Wie ein Strumpf wird ein weicher Schlauch mit aushärtendem Harz in die vorhandenen alten Rohre eingeführt. „Dieses Verfahren wird bereits auch bei dicken Rohren angewendet“, versichert Dieter Theis. Um zu demonstrieren, wie haltbar jene Harzdichtungen sind, springt er („Ich wiege 100 Kilo“) auf ein abgeschnittenes Stück Schlauch – ohne es zu beschädigen.

Weitere Neuigkeiten